Vortrag zur historischen Fotografie in Liechtenstein

11. April 2017

Am 7. April 2017 beleuchtete der renommierte Fotohistoriker Markus Schürpf im Seminarzentrum Stein Egerta Schaan in einem 75-minütigen Vortrag das Fotovermächtnis von Pfarrer Anton Frommelt. In der anschliessenden Podiumsdiskussion unter der Leitung von Stein Egerta-Geschäftsführer Daniel Quaderer kamen  kulturelle als auch soziapolitische und gesellschaftskritische Themen zur Sprache.

 

Liechtensteins Alltag fotografiert

Für Liechtenstein war  Anton Frommelt (1895 bis 1975) ein Glücksfall. Als Pfarrer von Triesen fotografierte er zwischen 1922 bis 1933 die Menschen im Alltag, bei der Arbeit, bei den kirchlichen Festen, in Not und Krankheit. In seinem Fokus standen die  Menschen und das Dorfleben von Triesen. Dabei hat er viele künstlerisch berührende und historisch wertvolle Bilddokumente geschaffen.  Auch die beeindruckende Landschaft seiner Heimat, im besonderen die Berg- und Pflanzenwelt, zählt zu seinen bevorzugten Motiven und findet sich in seinen künstlerischen Arbeiten wieder.

 

Rund 1700 Fotos

Das fotografische Œuvre ist mit 1700 hinterlassenen Aufnahmen umfangreich. Wenngleich die Fotografie am Beginn seines künstlerischen Schaffens zu stehen schien und die Malerei erst für den 50jährigen in den Mittelpunkt rückte, sind beide eng verbunden mit einer künstlerischen Sicht, die aus der Anschauung der Wirklichkeit heraus eine Erkenntnis transzendenter Werte zu gewinnen bemüht ist. Die Sammlung wird heute vom

Archiv-Atelier in Vaduz betreut.  

 

Dorf- und Wanderfotografie

Den früheren Dorf- und Wanderfotografen verdanken wir fotografische Dokumente der ländlichen Welt ohne idyllisierenden Blick, geprägt von einer eigenen Ästhetik. Referent Markus Schürpf vom Büro für Fotografiegeschichte in Bern setzte die Bilder Frommelts in den kunstgeschichtlichen Kontext der «dezentralen Fotografie» in der Schweiz. Fotos fernab der wirtschaftlichen und kulturellen Zentren im gesellschaftlichen und geografischen «Hinterland» der Schweiz. Auf historischen Bildern finden sich Details, die nicht jeder sofort deuten kann. Anders als die historische Studiofotografie kamen Dorf- und Wanderfotografen den Menschen ihrer Zeit viel näher. Sie hielten eine Art Alltag fest und sind darum heute umso interessanter.

 

 

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