Vortrag von Pater Martin Werlen in Schaan

16. November 2021

Draussen und Drinnen haben in dieser Krisenzeit eine besondere Aufmerksamkeit erhalten. Was bedeutet das für die Kirche? Zu allen Zeiten gab es die Versuchung, sich selbstgerecht abzuschotten, um nicht von den Viren der Zeit angesteckt zu werden. Die Auseinandersetzung mit den Pharisäern hilft, die Herausforderung heute anders wahrzunehmen und den Weg aus Sackgassen in Reformprozessen aufzuspüren und den Reformstau abzuarbeiten.

 

Der Vortrag am 15. November 2021 im SAL in Schaan ging der Frage nach, welche Reformen in der Kirche notwendig sind. Dabei nahm er auch Bezug auf Papst Franziskus. Dieser will mit der «Weltsynode» einen Dialog über die Kirche führen. Erzbischof Wolfgang Haas erteilt diesem Wunsch öffentlich eine Absage. Er sieht die Gefahr, dass sie in Liechtenstein «ideologisch verzweckt» werde. Die Absage an die Weltsynode wäre eine verpasste Chance für die Kirche in Liechtenstein, meinte Pater Werlen und rief die Beteiligten zum Dialog mit dem Erzbistum und Papst auf.

 

Pater Martin Werlen, ist seit 1983 Benediktinermönch des Klosters Einsiedeln. Seit August 2020 leitet er die Propstei St. Gerold in Vorarlberg, die zum Kloster Einsiedeln gehört. Er ist ein aktiver Nutzer von Twitter unter @MoenchMartin.

 

Über 120 Personen verfolgten das Referat von Pater Martin Werlen im SAL in Schaan

 

Die Organisatoren des Abends mit dem Referenten: Susanne Falk-Eberle, Pater Martin Werlen, Peter Dahmen und Philip Schädler von der Erwachsenenbildung Stein Egerta.

 

Offizielle Medienmitteilung vom 16. November 2021:

 

Pater Martin Werlen ruft zum Dialog und zur Modernisierung der katholischen Kirche auf

 

«Wir brauchen keine andere Kirche, sondern eine Kirche, die anders ist» betonte Pater Martin Werlen in seinem Vortrag «Raus aus dem Schneckenhaus» vor über 100 Zuhörern im SAL in Schaan, welcher vom Verein für eine offene Kirche, dem Kloster St. Elisabeth und der Erwachsenenbildung Stein Egerta organisiert wurde. Das Schneckenhaus ist dabei Symbol für das Erstarrte, das Festgefahrene, in welchem Zurückgezogenheit und Selbstfokussierung herrscht, Zustände in der katholischen Kirche, die Pater Martin kritisiert. Er vermisst den Dialog zwischen Kirche und Gläubigen. Er fordert eine lebendige, dynamische Kirche, welche offen und im ständigen Dialog ist, im Fluss und nicht starr im Formalismus.

 

«Katholizismus bedeutet das Weite, das Allumfassende und nicht Enge und Verschlossenheit». Katholisch heisst Offenheit, Modernität und Gemeinsamkeit, heute steht es eher für das Gegenteil. Deshalb wenden sich viele Gläubige von der katholischen Kirche ab. Leider werde von den Geistlichen der Dialog mit den Abgewendeten nicht gesucht, sondern der Rückzug ins Schneckenhaus ist die Antwort. Als er sein Buch mit dem gleichnamigen Titel letztes Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt habe, sei es kein Zufall gewesen, dass er es in Schaan im Kloster getan habe, da er um die Situation der katholischen Kirche in Liechtenstein Bescheid wusste.

 

Dabei sei es notwendig, den synodalen Weg, also den Weg des ständigen Dialoges und des Miteinanders zu gehen. Das sei auch der Weg, den der jetzige Papst Franziskus gehe. Pater Martin betont auch die Verantwortung, die jeder Christ, jeder Getaufte hat, nämlich ein lebendiger Teil der Glaubensgemeinschaft zu sein. Er zitiert Papst Franziskus aus seiner bewegenden Rede vom 9. Oktober dieses Jahres zur Eröffnung der Weltsynode. Papst Franziskus sagt dort: «Die Teilnahme aller ist eine wesentliche kirchliche Verpflichtung! Aller Getauften. Das ist der Personalausweis: die Taufe.» Die Absage an die Weltsynode wäre eine verpasste Chance für die Kirche in Liechtenstein, meinte Pater Werlen und rief die Beteiligten zur Initiative mit dem Erzbistum und Papst auf. Pater Martin ruft auf, zusammen zu kommen, in kleinen Gruppen, dort sich auszutauschen und so die Gemeinschaft der Gläubigen lebendig zu halten. Dazu bedarf es nicht grosser und prunkvoller Bauten, es reiche eine Wohnstube. Wichtig sei das Zuhören. Im Schneckenhaus hört man den anderen nicht zu. «Nur wer draussen ist, kann drinnen sein» sagt Pater Martin oder anders ausgedrückt, nur wer sich öffnet, zuhört, in den Dialog tritt, der hat die Möglichkeit zu den Herzen der Mitmenschen zu gelangen. Pater Martin appelliert, sich den Problemen zu stellen, hier und jetzt und sagt: «Gott wartet dort auf uns, wo wir gerade sind, nicht dort, wo wir sein möchten.»

 

Pater Martin weist immer wieder auf Papst Franziskus hin, welcher genau diese Öffnung, das Miteinander der gesamten Kirche vorantreiben will. Am Ende des Vortrages liest Pater Martin das Gebet des Papstes Franziskus vor, welches dieser zum Schluss seiner Ansprache an die Bischöfe betete: «Komm, Heiliger Geist, der du neue Sprachen erweckst und Worte des Lebens auf die Lippen legst, bewahre uns davor, eine museale Kirche zu werden, die schön, aber stumm ist, die viel Vergangenheit, aber wenig Zukunft besitzt. Komm unter uns, auf dass wir uns in der synodalen Erfahrung nicht von Ernüchterung überwältigen lassen, die Prophetie nicht verwässern, nicht darin enden, alles auf unfruchtbare Diskussionen zu reduzieren. Komm, Heiliger Geist der Liebe, öffne unsere Herzen für das Hören. Komm, Geist der Heiligkeit, erneuere das heilige und gläubige Volk Gottes. Komm, Schöpfer Geist, erneure das Angesicht der Erde. Amen.» Zum Schluss sagt Pater Martin, dass wir es selber in der Hand haben, die Kirche zu erneuern, in den Dialog zu führen und die Verantwortung für unseren Glauben zu übernehmen.

 

Weitere Auskünfte:

Erwachsenenbildung Stein Egerta, In der Stein Egerta 26, 9494 Schaan

Verein für eine offene Kirche, Postfach 825, 9494 Schaan

Brot und Rosen, c/o Kloster St. Elisabeth, Duxgass 55, 9494 Schaan

 

 

 

 

 

Aktuelle Kurse