Tipps für Eltern zum Thema "Gamen"

15. September 2022

Die Welt der Online-Games verstehen: Mit Daniel Betschart (Pro Juventute Schweiz), Alexandra Schiedt (kinderschutz.li), Lionel Wagner (jugendlicher Gamer) und Daniel Quaderer (Stein Egerta)  am Mittwoch, 14. September. Auf der Grossleinwand im SAL in Schaan wurden die verschiedene Mechanismen von Games beispielhaft an den beliebtesten Spielen gezeigt. Die Erziehungsberechtigen erhielten dabei wichtige Informationen und Tipps für einen entspannteren Umgang mit Games. Zudem wurden die Risiken wie Suchtgefährdung oder Cybermobbing erläutert und auf Fragen der Teilnehmenden eingegangen.

 

Daniel Quaderer, Lionel Wagner, Alexandra Schiedt und Daniel Betschart am 14. September im SAL in Schaan: "Die Welt der Online-Games verstehen".

 

12 Tipps von Pro Juventute zum Thema «Gamen» für Eltern

 

Keine Angst vor Games

Kinder und Jugendliche wissen vielleicht besser über Games Bescheid und spielen auch mehr als Sie. Kein Grund zur Besorgnis. Zeigen Sie Interesse am Spiel und lassen Sie sich von Ihrem Kind die Welt der Games zeigen. Kinder und Jugendliche sind zwar gut bei der Bedienung, für einen bewussten und kritischen Umgang mit dem Medium brauchen sie aber die Unterstützung der Erwachsenen.

 

Nehmen Sie Ihre Vorbildrolle ernst

Wenn man permanent selbst am Handy spielt und selbst viel vor dem Bildschirm sitzt, ist es für das Kind wenig nachvollziehbar, wenn man dessen Konsum kritisiert und einschränken möchte.

 

Zeigen Sie Interesse

Versuchen Sie, Ihre Vorurteile gegenüber Computerspielen erst mal beiseite zu legen. Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und reden Sie über die Spiele. Dieses freut sich über Ihr Interesse an seinem Hobby. Auch ist es stolz, wenn es in einem Bereich den Erwachsenen etwas erklären oder gar in einem Spiel gegen sie gewinnen kann!

 

Digitale Spiele sind keine Babysitter

Lassen Sie jüngere Kinder beim Gamen nicht alleine. Begleiten Sie stattdessen Kinder beim Konsum von elektronischen Spielen.

 

Achten Sie auf die Altersangaben

Die Altersangaben bei Games geben einen ersten Eindruck, ob ein Spiel für Ihr Kind geeignet ist oder nicht. Sie sind aber nicht in Stein gemeisselt und in der Schweiz auch nicht gesetzlich verankert. Es hängt auch von der Entwicklung des Kindes ab, ob ein Spiel geeignet ist oder nicht. Schätzen Sie daher ein, wie viel Gamen Sie als sinnvoll erachten und welche Inhalte Sie Ihrem Kind zumuten können. Die Altersangaben eigenen sich gut als Diskussionsgrundlagen mit Kindern und Jugendlichen.

 

Diskutieren statt verbieten

Diskutieren und definieren Sie Spielzeiten, Spielinhalte und Spieldauer gemeinsam mit dem Kind. Dies erhöht die Akzeptanz und die Einhaltung der Abmachungen. Sprechen Sie über einen sinnvollen Umgang mit dem Medium. Jugendliche möglichst lange von elektronischen Spielen abzuhalten oder ihnen den Umgang mit Gewaltdarstellung komplett zu verbieten hat oft eine gegensätzliche Wirkung, da es für sie so meist nur noch interessanter wird. Ausserdem gilt zu bedenken, dass ein ausgesprochenes Verbot auch durchgesetzt werden muss. Gut möglich, dass sich der Sohn oder die Tochter bei einem solchen Verbot einfach an einem anderen Ort, zum Beispiel bei den Freunden, mit solchen Spielen auseinandersetzten wird.

 

Junge schützen, Ältere unterstützen

Je jünger das Kind desto eher schützt man es, je älter desto mehr unterstützt man es. Gestalten Sie das Gamen mit dem Kind so, dass Sie immer wieder einen Blick auf den Bildschirm werfen können. Wenn das Kind das Teenageralter erreicht und Sie das Gefühl haben, es kann mit den Risiken umgehen, können Sie Ihrem Kind mehr Privatsphäre zugestehen.

 

Ausnahmen sind möglich

Ein neu erschienenes Spiel kann anfangs eine hohe Anziehungskraft auslösen. Wenn gerade Schulferien sind, kann es daher auch mal okay sein, mehr zu spielen. Eine Möglichkeit wäre, die Zeit aufzuteilen und mit dem Kind abzumachen, nach der spielintensiven Woche eine spielfreie oder spielreduzierte Woche anzuhängen.

 

Kündigen Sie das Ende des Spielens wenn möglich an

Das Ärgerlichste als Spielerin oder Spieler ist es, ein Spiel mitten in einem Level beenden zu müssen, weil dann oft Errungenschaften oder Punkte verloren gehen. So lässt sich nach einer Ankündigung abgleichen, wenn die Spielzeit zu Ende ist («Dieses Level beenden, dann ist fertig»). Vor allem bei Online-Spielen ist zu beachten, dass viele Inhalte nur als Gruppe erreicht werden können, wofür mehrere Spieler gleichzeitig online sein müssen. Wenn man zulassen will, dass Jugendliche mit ihren Kollegen zusammenspielen können, ist dieser Punkt bei der Zeitplanung zu berücksichtigen. Für Kinder sind solche Online-Rollenspiele jedoch nicht zu empfehlen.

 

Informieren Sie sich

Informieren Sie sich über das Game. Die Beschreibung auf einer Verpackung bietet bereits einige Informationen über den Inhalt eines Games. Auf YouTube können Sie beispielsweise mit dem Stichwort «How to play (Spieltitel)» ein Spiel suchen und mehr darüber erfahren. Auf der deutschen Ratgeberseite finden Sie zu vielen Games eine ausführliche Beschreibung und pädagogische Beurteilung. Um mit Ihrem Kind über Games sprechen zu können ist es nicht nötig, sich in der Spielwelt detailliert auszukennen. Sie können sich auf das, was Ihr Kind interessant findet, fokussieren.

 

Kinder brauchen Abwechslung

Elektronische Spiele können sehr wohl zum Alltag gehören, aber nicht nur. Bieten Sie Alternativen zum Gamen. Spielen Sie gemeinsam analoge Spiele, unternehmen Sie Ausflüge, fördern Sie Bewegung in der Natur und geben Sie Ihrem Kind genügend Freiraum, draussen und mit Freunden unterwegs sein zu können. Und falls es Ihrem Kind mal langweilig ist, ist das nicht tragisch. Langeweile fördert die Kreativität!

 

Hilfe holen

Falls Sie das Gefühl haben, dass der Konsum der Medien aus dem Ruder läuft und Sie sich ratlos fühlen, suchen Sie Hilfe! Verschiedene Fachstellen können Ihnen weiterhelfen. Fragen Sie nach einer lokalen Mütter- und Väterberatung, melden Sie sich bei der Pro Juventute Elternberatung (Tel. 058 261 61 61, Tag und Nacht erreichbar) oder kontaktieren Sie die Lehrperson, Schulsozialarbeitenden sowie Jugendarbeitenden Ihres Kindes oder Jugendlichen. Auch gibt es in vielen Gemeinden und Städten eine Jugendberatung, welche Ihnen bei diesen Themen weiterhelfen kann.

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