Nachbetrachtungen zum Film „Heinrich Kieber: Datendieb“

26. Oktober 2016

Sechs Jahre ist es her, als der Datenklau von Heinrich Kieber für Furore sorgte. Fünfzig Personen wollten die unglaubliche Geschichte von Heinrich Kieber bei einer Stein Egerta-Veranstaltung im TaKino am Mittwoch, 19. Oktober, nochmals Revue passieren lassen.

 

Die Filmemacher Sigvard Wohlwend und Sebastian Frommelt hatten 2010 in mühevoller Kleinarbeit Fakten zusammengetragen, um ein möglichst umfassendes Bild von Heinrich Kieber, dem Datenklau und dem Verkauf der Daten zu skizzieren. Der Film war ein Publikumserfolg: Rund eine Million Menschen haben ihn im Kino oder später im Fernsehen gesehen. Er wurde auf verschiedenen Sendern, wie SRF oder Spiegel TV gezeigt. Der Film entlarvt Kieber als notorischen Lügner, Hochstapler und Betrüger, die Filmemacher förderten viele unbekannte Details aus dem Leben Kiebers zu Tage.

 

Wohl noch immer in Australien

Das Gespräch von Daniel Quaderer mit den Filmemachern Wohlwend und Frommelt legte den Fokus auf die Ereignisse in den Jahren nach der Filmpremiere von 2010. Heinrich Kieber war im Sommer 2011 in Australien als «Daniel Wolf» aufgeflogen, weil die Zeitung «Financial Times Australia» einen Artikel mit Kiebers Foto mit der Schlagzeile «Would you trust this man?» abgedruckt hatte. Hintergrund: Kieber wurde als Zeuge aufgeboten, um in einem Verfahren gegen einen prominenten australischen Steuersünder auszusagen – ein Journalist hatte diese Story aufgegriffen und offensichtlich anhand des Films die Person Heinrich Kieber als vorgeladen Zeugen demontiert. Später machte Kieber unter Ausschluss der Öffentlichkeit doch noch eine Zeugenaussage über mutmassliche australische Steuersünder vor dem höchsten Gericht Australiens, dem «Federal Court of Australia in Brisbane».

 

Kieber ist nicht mehr Kieber

Seither ist es den Medien in Australien verboten, ein Foto von Kieber zu veröffentlichen. Und seither hat sich die Spur von Heinrich Kieber im Sand verlaufen. Wohlwend geht davon aus, dass er sich mit neuem Pass weiter in Australien aufhält. Obwohl Kiebers Fahndungsfoto heute weltbekannt sei, sei seine äusserliche Erscheinung beim letzten Auftauchen praktisch unverändert gewesen. Dies erstaune deshalb nicht, da der Datendiebstahl in Australien keine grosse «Nummer» gewesen sei. «Er hatte einfach im Sommer 2011 das Pech, dass ein Porträtfoto von ihm in der Zeitung erschienen ist, er also zum ersten Mal ‹bildlich› in Erscheinung getreten ist», sagte Sebstian Frommelt. Den Behörden in Liechtenstein, welche Kieber seit 2008 per internationalem Haftbefehl suchen, hat dies jedoch wenig genützt. Dem Rechtshilfeersuchen des liechtensteinischen Untersuchungsrichters an Australien von 2011 wurde bisher nicht entsprochen. Das ist wohl auch nicht mehr möglich, denn Kieber ist nicht mehr Kieber und wohl auch nicht mehr Wolf, er hat wohl in der Zwischenzeit wieder eine neue Identität.

 

Schulung zum Lesen der Datensätze

Schliesslich war er für die Steuerbehörden im Ausland wertvoll: «Heinrich Kieber hat nicht nur die Daten, sondern auch das System, wie man die Daten liest, verkauft. Er war beispielsweise etliche Male zur Schulung der Steuerkommissäre in Australien», sagte Sigvard Wohlwend.

 

Film über ein Phantom

Ansonsten plauderten die Filmemacher über die damals schwierige Recherche: «Es ist nicht einfach, einen Film über jemanden zu machen, der nicht da ist», meinte Sebastian Frommelt. Es kam ihnen dabei zu Gute, dass sich Kieber mit der Videokamera oft selber gefilmt habe. «Er ist sozusagen der Erfinder des Selfies», schmuntzelte Frommelt. Viel Material sei ihnen auch zugetragen worden. Schliesslich war Heinrich Kieber hierzulande bekannt wie ein bunter Hund: «Heinrich ist eine Person, die sofort auffällt», so Frommelt.

 

Kiebers Reaktion

Heinrich Kieber hatte den Film damals übrigens selber gesehen. In einem Interview im «Stern» habe er danach seine Sicht der Dinge erläutert. Später hatte er ein 600-Seitiges Dokument mit dem Titel «Der Fürst. Der Dieb. Die Daten.» ins Netz gestellt. Ein Interview mit den beiden Filmemachern habe er aber aus Sicherheitsgründen abgelehnt. Sigvard Wohlwend nutzte Kiebers Veröffentlichung und schrieb ein Jahr nach dem Film das Buch: «Der Datendieb: Wie Heinrich Kieber den grössten Steuerskandal aller Zeiten auslöste.» Seither verfolgen Frommelt und Wohlwend die Spur Kiebers nicht mehr aktiv weiter. (dq)

 

v. l. Sebastian Frommelt, Daniel Quaderer und Sigvard Wohlwend

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