Wer überwacht den Himmel über Liechtenstein?

21. Februar 2017

Der spannende Stein Egerta-Vortrag mit Wolfgang Graf von Skyguide am 16. Februar 2017 dauerte fast zwei Stunden. Wer erinnert sich nicht an die Schrecksekunde beim Männer-Slalom in Madonna di Campiglio 2016! Eine TV-Drohne fällt unmittelbar hinter Marcel Hirscher auf die Piste. Hirscher entkommt knapp einer Katastrophe. Es fragt sich: Wer sorgt für Ordnung am Himmel? Die Antworten lieferte Abend Wolfgang Graf mit vielen Bildern, Grafiken, Animationen und Zahlen.

 

Sicherheit hat ihren Preis

 

Eindrücklich veranschaulichte Graf, welch komplexe Herausforderungen die Flugsicherung im 21. Jahrhundert zu meistern hat. Ein finanzieller und vor allem personeller Aufwand, der für ein Land wie Liechtenstein unmöglich zu bewältigen wäre. Organisatorisch ist die zivile Luftfahrt in Liechtenstein zwar beim Amt für Bau und Infrastruktur (ABI) angegliedert, praktisch fällt das Gebiet aber in den Zuständigkeitsbereich von Skyguide. Diese staatliche Firma gewährleistet die zivile und militärische Flugsicherung in der Schweiz und berät private Piloten in ihrer Flugplanung.

 

Überfluggebühren füllen Kasse

 

Dabei finanziert sich Skyguide hauptsächlich durch Überfluggebühren, denn die meisten Flugzeuge im Schweizer Luftraum fliegen durch, ohne zu landen. Dennoch müssen diese durch Fluglotsen unterstützt werden. Beispielsweise eine Boeing 737 bezahle dafür circa 80 Euro. 2016 lotste die Flugsicherung insgesamt 1,2 Millionen gebührenpflichtige Flugzeuge durch, wobei dies die Kosten kaum zu decken vermöge, erklärte der Experte. Das Defizit bezahle die Staatskasse, denn Sicherheit hat nunmal ihren Preis.

 

120‘000 Flüge in der Schweiz

 

Dank moderner Technik ist das Unfallrisiko in der Aviatik äusserst gering. Dennoch kommt es immer wieder zu Zwischenfällen am Himmel. Weltweit werden pro Tag 120 000 radarunterstützte Flüge durchgeführt, rund ein Sechstel davon über Europa – Tendenz steigend. Und auch wenn es in Liechtenstein längst keinen Flughafen mehr gibt, ist der nationale Luftraum sehr wohl vom zunehmenden aeronautischen Verkehr betroffen.

 

Fünf Überflüge pro Tag

 

Zwar führe keine Luftstrasse über das kleine Land, doch komme es durchschnittlich zu fünf Überflügen durch Grossraumflugzeuge pro Tag, erklärte Wolfgang Graf am Donnerstagabend im Schaaner Rathaus einigen Aviatik-Fans, die der Einladung der Stein Egerta gefolgt waren. Graf ist als Experte für aeronautische Daten bei der Schweizer Flugsicherung Skyguide tätig, Instruktor für angehende Flugsicherungsangestellte und privat selbst Pilot.

 

Flugunfälle in Liechtenstein

 

Im August 1976 und im März 1986 ist im Alpengebiet Malbun je ein Helikopter abgestürzt. Dabei handelte es sich beide Male um Pilotenfehler. Seither sind in Liechtenstein keine Flugunfälle mehr verzeichnet worden. Es ist zu hoffen, dass es so bleibt. (VO, DQ)

 

 

 

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