Eine Buchverfilmung hiesiger Natur

Im Rahmen der Stein Egerta-Serie "Filmperlen aus Liechtenstein" lief am 24. November im Alten Kino in Vaduz ein Film über das Werk «Brauchtum in Liechtenstein», der letztes Mal in den 1980ern aufgeführt wurde.

 

Im Mittelpunkt des Abends stand ein Film über ein Buch, das schon lange vergriffen und dennoch den meisten Liechtensteinern bekannt ist. Über «Brauchtum in Liechtenstein» sagte Daniel Quaderer, Geschäftsführer der Stein Egerta, dementsprechend in seiner Eröffnungsrede: «Ich muss das Buch nicht vorstellen. Jeder Liechtensteiner Haushalt hat das Standardwerk zu Hause.» Obwohl es beinahe jeder kennt, dürfte den meisten die entsprechende Verfilmung weniger bekannt sein. Im Jahr 1988 wurde der Film in allen Gemeindesälen des Landes, ausser in Planken, vorgeführt. «Das war vor einer Generation», wie Quaderer anfügt.

 

Familärer Anlass

Das «Brauchtum in Liechtenstein» ist ein Werk des Mäzen Adulf Peter Goop und des Fotografen Walter Wachter. Letzterer sammelte die Fotografien, die dem Buch seine Farbe verleihen, zwischen den Jahren 1984 und 1986. Im Jahr 1986 erschien auch das Werk. Der Tonbildfilm zog gestern rund 30 Personen in das Alte Kino in Vaduz. Zu den Gästen gehörten die Kinder, der Enkel und der Urenkel von Goop, der 2011 verstarb. Auch die Tochter und der Enkel des verstorbenen Fotografen befanden sich im Publikum.

 

Werner Marxer, Projektleiter Liechtensteiner Liaderbüechle, Daniel Quaderer, Geschäftsführer Stein Egerta, Peter Goop, Sohn von Adulf Peter Goop, Ferdinand Goop, Urenkel von Adulf Peter Goop, Jörg Goop, Enkel von Adulf Peter Goop, Astrid Marxer, Präsidentin Liechtensteinische Trachtenvereinigung, und Bürgermeister Manfred Bischof am 24. November 2021 vor dem Alten Kino in Vaduz. (Foto: Liecht. Vaterland)

 

 

Alpabfahrt und Alpenherzen

Der Film zeigt eine Abfolge von Fotos aus dem Buch. Diese sind chronologisch nach dem Kirchenjahr aufgeführt. So sieht der Zuschauer Liechtensteins Jung und Alt beim Funkenbrennen, am Frühstückstisch zum Dreikönigskuchen oder während der Erstkommunion abgebildet. Zu diesen altbekannten Bräuchen gibt eine Sprecherstimme erläuternde Worte. Dabei erfährt der Liechtensteiner womöglich manches, dass ihm selbst nicht mehr bewusst war. Bei der Alpabfahrt beispielsweise: So sind die Alpherzen aus Holz, die den Kühen an die Stirn gebunden werden, eine liechtensteinische Eigenheit.

 

Farbenfrohe Fülle von Bräuchen

Ab und an lockern Sprachschnipsel den angenehmen Monolog des Redners auf. So hört man Kinder, die sich an Neujahr von Haus zu Haus machen, sagen: «I wünsch dr a guats neus Johr, dass lang läbscht, gsund blibscht und in Himmel kunscht.» Das Publikum im Kino reagierte dementsprechend begeistert auf solche Szenen. Walter Wachter lich­tete auch Fürst Franz Josef II. ab, als dieser am Staatsfeiertag auf der Marktplatzgarage dem Volk sagte: «Liebe Liechtensteiner, ich will euch vor allem danken, für den Weg, den ich mit euch zusammen gehen konnte.»

 

In einer Generation hat sich viel verändert

Der Tonbildfilm, der eine farbenfrohe Fülle von Bräuchen zeigt, ist auch ein zeitgeschichtliches Dokument. Er ist ein Rückblick in eine nicht weit entfernte Vergangenheit. Im Anschluss des Films sagte Quaderer dementsprechend, dass sich in den letzten dreissig Jahren die Welt komplett verändert habe. Werner Marxer, der mit Goop zusammengearbeitet hatte, stimmte ein, und gab ein Beispiel zum Besten: «Ich finde es schade, dass das Neujahrswünschen nicht mehr so häufig ausgeführt wird.» Zwischenzeitlich ziehen mehr Kinder bei Halloween um die Häuser als beim Neujahrswünschen, gibt ihm Quaderer recht.

 

Funken ist wieder im Trend

Gewisse Bräuche sterben aus. «Manche dürften auch nur noch unserer Generation bekannt sein», sagt Astrid Marxer, Präsidentin der Liechtensteinischen Trachtenvereinigung. Es sei aber die Aufgabe der älteren Generation, die jüngere für Bräuche anzuhalten. Marxer gibt aber auch einen Lichtblick, wie sich Trends wandeln können: «Es freut mich zu sehen, dass sich wieder mehr dem Funken widmen, obwohl es eine Zeit lang nicht mehr zu interessieren schien.»

(Text von Damian Becker, Liecht. Vaterland, 25.11.2021)

 

 

Die Monatsserie "Filmperlen aus Liechtenstein"

In Zusammenarbeit des Liechtensteinischen Landesarchivs, der Erwachsenenbildung Stein Egerta und dem Alten Kino Vaduz entstand die Idee einer fixen Plattform für Filme und Dokumentationen aus und über Liechtenstein. Nach der Vorführung wird jeweils eine kritische Nachbetrachtung mit verschiedenen Interviewpartnern ermöglicht.

Das Projektteam "Filmperlen aus Liechtenstein" Anfang April 2021 in den Lagerräumlichkeiten des Liechtensteiner Landesarchivs. 

 

 

 

 

Das Programm wird jeweils zwei Wochen vor der Vorführung auf der Homepage www.alteskino.li bekannt gegeben.

 

 

 

 

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